Nein zur Motion Würth: Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Alkoholkonsum dürfen nicht unterdrückt werden

17.06.26 / Eine breite Allianz von Gesundheitsorganisationen ruft den Nationalrat dazu auf, die Motion Würth «Marschhalt bei neuen Empfehlungen zum mässigen Alkoholkonsum» (25.4153) abzulehnen. Die Motion würde neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Alkoholkonsum bis mindestens 2028 von den gesundheitspolitischen Empfehlungen ausschliessen – ein falsches Signal mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung.

Gesundheitsempfehlungen müssen dem aktuellen Wissensstand folgen. Genau das verhindert dieMotion Würth: Sie verlangt, neue Erkenntnisse zum Alkoholkonsum bis zum Abschluss der sogenannten UNATI-Studie im Jahr 2028 nicht in den Empfehlungsprozess einfliessen zu lassen. Der Bundesrat empfiehlt die Ablehnung der Motion – die unterzeichnenden Organisationen unterstützen diese Haltung ausdrücklich.


Die zitierten Studien stützen die Motion nicht – im Gegenteil
Die Motion bezweifelt die Evidenzbasis der aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wonach bereits geringer Alkoholkonsum Gesundheitsrisiken birgt. Zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie die WHO gelangt auch ein Grundlagenbericht der Eidgenössischen Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (EKSN). Die Motion stützt sich auf zwei Studien – einen Bericht der amerikanischen National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) sowie eine wissenschaftliche Stellungnahme der American Heart Association (AHA). Beide Autorenschaften halten jedoch ausdrücklich fest, dass ihre Resultate keine Evidenz für gesundheitsfördernde Wirkungen des Alkoholkonsums liefern und Alkohol nicht als Teil einer gesunden Lebensweise betrachtet werden kann. Die Motionsbegründung unterschlägt diesen zentralen Punkt.

Die UNATI-Studie rechtfertigt keinen Marschhalt
Von der in der Motion erwähnten UNATI-Studiev sind keine nennenswerten neuen Erkenntnisse zum Einfluss des mässigen Alkoholkonsums auf die Gesundheit der Allgemeinbevölkerung zu erwarten. Die Studie schliesst ausschliesslich Personen zwischen 50 und 75 Jahren ein, die bereits 3 bis 40 Standardeinheiten Alkohol pro Woche konsumieren, und untersucht primär die Wirkung von Konsumempfehlungen – nicht die Folgen des tatsächlichen Alkoholkonsums an sich. Rückschlüsse auf die Gesamtbevölkerung lassen sich daraus nicht ziehen. Bis zum Studienabschluss 2028 mit den geltenden Empfehlungen zuzuwarten, ist deshalb wissenschaftlich nicht begründet.

Recht auf Information
Die Bevölkerung in der Schweiz hat das Recht, nach aktuellem Kenntnisstand darüber informiert zu werden, was als gesundheitlich riskant einzuschätzen ist. Nur so können Menschen verantwortungsvolle Entscheidungen für ihre eigene Gesundheit treffen. Angesichts der erheblichen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Kosten des Alkoholkonsums wäre es falsch, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse bewusst zurückzuhalten.

Die unterzeichnenden Organisationen bitten die Mitglieder des Nationalrats, dem Bundesrat zu folgen und die Motion Würth abzulehnen.
 

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