Angehörige suchtkranker Menschen

Eine Sucht belastet nicht nur die Betroffenen, sondern auch ihre Angehörigen. Deshalb brauchen auch Angehörige Unterstützung in ihrer schwierigen Lebenssituation. Viele Suchtfachstellen haben zwar Angebote, die sich spezifisch an Angehörige suchtkranker Menschen richten. Diese werden in der Regel aber schlecht nachgefragt. Der Fachverband Sucht wollte wissen warum, und wie sich diese Situation verbessern lässt. 

Eine Sucht belastet auch Angehörige

In der Schweiz gibt es rund eine halbe Million Menschen, die von einem Alkoholproblem im engeren Familienkreis betroffen sind. Und jede dritte Person kennt in ihrem Umfeld einen Menschen, der an einem Alkoholproblem leidet. Werden nicht nur Alkohol, sondern auch illegale Drogen und Verhaltenssüchte betrachtet, sind es noch viel mehr Menschen, die in ihrem engeren Umfeld eine suchterkrankte Person haben.

Eine Sucht ist für die Angehörigen der suchtbetroffenen Menschen – gemeint sind damit Eltern, Partnerinnen und Partner, Geschwister, Kinder und Grosseltern, aber auch Freundinnen und Freunde, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – eine grosse Belastung. Verschiedene Studien haben ergeben, dass Angehörige eine erhöhte Rate an stressbedingten Erkrankungen und psychosozialen Beeinträchtigungen aufweisen. Schlafprobleme, verminderte Konzentration, depressive Zustände und Suizidgedanken, körperliche Symptome wie Übelkeit und erhöhter Blutdruck sind ein paar Symptome aus einer langen Liste von möglichen negativen Konsequenzen. Das heisst: Nicht nur die suchtkranken Menschen, sondern auch ihre Angehörigen benötigen Unterstützung. Diese Erkenntnis setzt sich seit wenigen Jahren allmählich durch.

Angehörige suchtkranker Menschen brauchen Unterstützung. Aber welche?

In der Deutschschweiz gibt es zwar Fachstellen, die Angebote eingerichtet haben, die sich an Angehörige suchtkranker Menschen richten. Da es aber wenig Erkenntnisse dazu gibt, welche Art von Unterstützung Angehörige brauchen und über welche Kanäle sie sich informieren, werden diese Angebote in der Regel schlecht nachgefragt.

Der Fachverband Sucht hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, diese Situation zu verbessern. Dazu hat er in einem ersten Schritt Grundlagenwissen zur Versorgung Angehöriger suchtkranker Menschen erarbeitet: Eine Bestandsaufnahme zu den bestehenden Angeboten sowie Workshops mit Angehörigen und Fachpersonen haben wichtige Erkenntnisse zur Versorgungslage und zu Versorgungslücken geliefert.

Auf dieser Basis hat er in einem zweiten Schritt Empfehlungen zur Verbesserung der Versorgung der Angehörigen entwickelt. Bei diesem Schritt hat ein interdisziplinärer Fachbeirat, in dem auch Vertreterinnen von Angehörigen mitgearbeitet haben, eine zentrale Rolle gespielt. Die Empfehlungen richten sich an Politik und Verwaltung, an Verbände, an Fachorganisationen der Suchthilfe und der Grundversorgung, an Organisationen der Selbsthilfe sowie an die Forschung. Der Fachverband Sucht setzt in den kommenden Jahren einige dieser Empfehlungen um.

Arbeitsergebnisse des Fachverbands Sucht

Bestandesaufnahme zu den Angeboten für Angehörige suchtkranker Menschen

Mit dem Ziel, mehr über die Versorgung von Angehörigen suchtkranker Menschen zu erfahren, hat der Fachverband Sucht im Herbst 2015 eine umfassende Bestandsaufnahme zu den Angeboten für diese Zielgruppe erstellt.

Bestandsaufnahme (statistische Auswertung)

Bericht zur Bestandsaufnahme

 

Empfehlungen zur Optimierung der Unterstützung von Angehörigen suchtkranker Menschen

2016 hat der Fachverband Sucht Empfehlungen zur Optimierung der Unterstützung von Angehörigen suchterkrankter Menschen verabschiedet. Sie basieren auf der oben genannten Bestandesaufnahme sowie Workshops mit Fachpersonen und betroffenen Angehörigen.

Empfehlungen (kurze Version)

Empfehlungen (lange Version) 

 

Weiterführende Informationen

Zahlreiche weiterführende Informationen finden Sie auf der Website des Dachverbands Eltern- und Angehörigenvereinigungen im Umfeld Sucht (VEVDAJ).