Onlinesucht

Onlinesucht bezeichnet die Abhängigkeit vom Internet, wobei verschiedene Nutzungsformen des Internets zu einer Abhängigkeit führen können. In der Schweiz sind davon rund 70'000 Personen betroffen, weitere 300'000 haben Probleme mit ihrem Internetkonsum. Der Fachverband Sucht verfolgt die Entwicklung des Phänomens gemeinsam mit dem Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA) sowie der Expertinnen- und Expertengruppe «Onlinesucht in der Schweiz».

Onlinesucht: Was ist damit gemeint?

Onlinesucht ist eine Form der Verhaltenssucht (stoffungebundene oder substanzunabhängige Sucht). Bisher gibt es keine allgemein anerkannte Terminologie, Definition und Diagnose von Onlinesucht. Neben dem Begriff «Onlinesucht» werden Ausdrücke wie «exzessive Nutzung», «pathologische Nutzung», «problematische Nutzung», «symptomatische Nutzung», «Internetabhängigkeit» verwendet. In der Schweiz sind ca. 70'000 Personen von Onlinesucht betroffen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Mai 2019 den neuen Katalog der Krankheiten (ICD-11) verabschiedet, der die Online-Spielsucht als eigenständige Krankheit anerkennt. Somit wird exzessives Online-Spielen in Zukunft mit anderen Suchtkrankheiten wie Glücksspielsucht gleichgesetzt. Der Entscheid der WHO ist umstritten. Verschiedene Fachleute warnen vor einer Pathologisierung des Gamens.

Der Fachverband Sucht und der Groupement romand d’études des addictions (GREA) koordinieren im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) die Expertinnen- und Expertengruppe «Onlinesucht in der Schweiz». Diese Gruppe hat 2018 eine aktualisierte Version ihres Syntheseberichts veröffentlicht, der einen Überblick über den Stand zum Thema Onlinesucht in der Schweiz gibt: Wie gross ist die Problemlast, wer sind die Betroffenen, welche Entwicklungen sind zentral? Der Bericht stützt sich u.a. auf eine Befragung der Suchtfachstellen sowie den Beratungs- und Therapieeinrichtungen zu ihrer Behandlungsrealität in Bezug auf exzessive und problematische Onlinenutzung und Onlinesucht.

Auf Initiative der Mitglieder des Fachverbands Sucht hat sich die Fachgruppe Onlinesucht gebildet, die sich vier Mal pro Jahr zu einem fachlichen Austausch trifft. Dazu gehören z.B. gemeinsame Fallbesprechungen oder die Vorstellung neuer Studienergebnisse. Voraussetzung für eine Teilnahme ist eine Mitgliedschaft im Fachverband Sucht.

Alterslimiten bei Videospielen

Der Fachverband Sucht hat im Mai 2019 an der Vernehmlassung zum Jugendschutz bei Videospielen teilgenommen. Der Bundesrat möchte mit dem neuen Gesetz Minderjährige vor Medieninhalten schützen, die «ihre körperliche, geistige, psychische, sittliche oder soziale Entwicklung gefährden können». Der Fachverband Sucht unterstützt dieses Anliegen. Es sollte jedoch auf Gesetzesstufe definiert werden, was für Jugendliche ungeeignete Inhalte sind. Neben den Gewalt- oder Sexdarstellungen, sollten Videospiele auch gemäss ihren suchtfördernden Faktoren eingestuft werden.

Eine 2017 veröffentlichte Expertise im Auftrag des Arbeitsstabs der Drogenbeauftragten der Deutschen Bundesregierung identifiziert suchtfördernde Faktoren von Computer und Internetspielen. Damit diese Faktoren auch in der Klassifizierung von Videospielen aufgenommen werden, sollte das Kriterium «suchtfördernde Faktoren» explizit im Gesetz aufgeführt und in der Botschaft erwähnt werden.

Medienmitteilung zur Vernehmlassung vom 22. Mai 2019

Vernehmlassungsantwort Fachverband Sucht zum Jugendschutz in Film und Videospielen

Begleitbrief zur Vernehmlassungsantwort des Fachverbands Sucht

Expertise «Suchtfördernde Faktoren von Computer- und Internetspielen» 2017

Arbeitsergebnisse des Fachverbands Sucht

Fortbildungen

Der Fachverband Sucht führt regelmässig Fortbildungen zu Verhaltenssüchten im Allgemeinen oder der Onlinesucht im Speziellen durch. Werfen Sie einen Blick auf unser Fortbildungsangebot:

Fortbildungen des Fachverbands Sucht

 

Bericht «Onlinesucht in der Schweiz»

Expertenbericht 2018

 

Literaturliste zur exzessiven Mediennutzung und zur Onlinesucht

Der Fachverband Sucht und der Groupement Romand d'Etudes des Addictions stellen seit 2015 eine Liste mit Schweizer und internationaler Literatur zu den Themen Hyperkonnektivität, Onlinesucht, Internetnutzung und Gamen zusammen. Die Bibliographie beinhaltet Studien (in deutscher, französischer, englischer und italienischer Sprache) sowie Untersuchungen, Bücher und Webseiten. Die Liste wird periodisch aktualisiert.

Literaturliste

 

Angebote zu Online-Sucht in der Schweiz

2010 haben der Fachverband Sucht und der Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA) eine Bestandesaufnahme zu den Angeboten der Prävention und Behandlung von Onlinesucht erstellt. Die Bestandesaufnahme ist im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit erarbeitet worden.

Bestandesaufnahme Angebote Onlinesucht in der Schweiz

Weiterführende Informationen

Memorandum Internetabhängigkeit der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung

Die Fachgruppe Onlinesucht des Fachverbands Sucht setzt sich intensiv mit dem Thema auseinander.