Problematische Internetnutzung

Die problematische Nutzung des Internets – oft auch Onlinesucht genannt – bezeichnet verschiedene Nutzungsformen des Internets, die zu einer Abhängigkeit führen können. In der Schweiz sind 3,8 Prozent betroffen, weitere 5,9 Prozent haben Probleme mit ihrem Internetkonsum. Der Fachverband Sucht verfolgt die Entwicklung des Phänomens gemeinsam mit dem Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA) sowie der Expertinnen- und Expertengruppe «Onlinesucht in der Schweiz».

Problematische Internetnutzung: Was ist damit gemeint?

Die problematische Internetnutzung ist eine Form der Verhaltenssucht (stoffungebundene oder substanzunabhängige Sucht). Bisher gibt es keine allgemein anerkannte Terminologie, Definition und Diagnose. Neben dem Begriff «problematische Internetnutzung» werden Ausdrücke wie «internetbezogene Störungen (IBS)» «exzessive, pathologische oder symptomatische Nutzung», «Onlinesucht», oder auch «Internetabhängigkeit» verwendet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Mai 2019 den neuen Katalog der Krankheiten (ICD-11) verabschiedet, der die Online-Spielsucht als eigenständige Krankheit anerkennt. Somit wird exzessives Online-Spielen in Zukunft mit anderen Suchtkrankheiten wie Glücksspielsucht gleichgesetzt. Der Entscheid der WHO ist umstritten. Verschiedene Fachleute warnen vor einer Pathologisierung des Gamens.

Der Fachverband Sucht und der Groupement romand d’études des addictions (GREA) koordinieren im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) die Expertinnen- und Expertengruppe «Onlinesucht in der Schweiz». Diese Gruppe hat 2018 eine aktualisierte Version ihres Syntheseberichts veröffentlicht, der einen Überblick über den Stand zum Thema Onlinesucht in der Schweiz gibt: Wie gross ist die Problemlast, wer sind die Betroffenen, welche Entwicklungen sind zentral? Der Bericht stützt sich u.a. auf eine Befragung der Suchtfachstellen sowie den Beratungs- und Therapieeinrichtungen zu ihrer Behandlungsrealität in Bezug auf exzessive und problematische Onlinenutzung und Onlinesucht.

Auf Initiative der Mitglieder des Fachverbands Sucht trifft sich die Fachgruppe Onlinesucht vier Mal pro Jahr zu einem fachlichen Austausch. Dazu gehören z.B. gemeinsame Fallbesprechungen oder die Vorstellung neuer Studienergebnisse. Voraussetzung für eine Teilnahme ist eine Mitgliedschaft im Fachverband Sucht.

Alterslimiten bei Videospielen

Der Bundesrat hat am 11. September 2020 die Botschaft und den Entwurf für ein neues Gesetz über den Jugendschutz in den Bereichen Film und Videospielen verabschiedet. Er möchte mit dem neuen Gesetz Minderjährige vor Medieninhalten schützen, die «ihre körperliche, geistige, psychische, sittliche oder soziale Entwicklung gefährden können». Der Fachverband Sucht nahm im Mai 2019 an der Vernehmlassung teil und unterstützte dieses Anliegen grundsätzlich. Er plädierte jedoch dafür, auf Gesetzesstufe zu definieren, was für Jugendliche ungeeignete Inhalte sind. Neben Gewalt- oder Sexdarstellungen, sollten Videospiele auch gemäss ihren suchtfördernden Faktoren eingestuft werden.

Diese Forderungen wurden im Entwurf des Bundesrates nicht aufgenommen, was der Fachverband Sucht sehr bedauert. Laut Bundesrat sei die Forschungslage zu den suchtfördernden Faktoren noch zu schwach, um Videospiele nach ihrem Suchtpotenzial klassifizieren zu können.

Eine 2017 veröffentlichte Expertise im Auftrag des Arbeitsstabs der Drogenbeauftragten der Deutschen Bundesregierung identifiziert suchtfördernde Faktoren von Computer- und Internetspielen.

Bericht über die Vernehmlassungsergebnisse

Botschaft zum Bundesgesetz über den Jugendschutz in den Bereichen Film und Videospiele

Gesetzesentwurf

Medienmitteilung zur Vernehmlassung vom 22. Mai 2019

Vernehmlassungsantwort Fachverband Sucht zum Jugendschutz in Film und Videospielen

Begleitbrief zur Vernehmlassungsantwort des Fachverbands Sucht

Expertise «Suchtfördernde Faktoren von Computer- und Internetspielen» 2017

Arbeitsergebnisse des Fachverbands Sucht

Mediennutzung: Modell zur Zusammenarbeit mit Eltern

Der Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA) hat in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Sucht im Rahmen des Projekts «Problematische Internetnutzung in der Schweiz», unterstützt durch das Bundesamt für Gesundheit, ein Modell zur Zusammenarbeit mit Eltern und Angehörigen in der Thematik Mediennutzung erarbeitet. Dieses Modell soll Fachpersonen der Prävention und Beratung im Umgang mit Anfragen zur Mediennutzungs-Thematik unterstützen.

Modell zur Zusammenarbeit mit Eltern

 

Fortbildungen

Der Fachverband Sucht führt regelmässig Fortbildungen zu Verhaltenssüchten im Allgemeinen oder der Onlinesucht im Speziellen durch. Werfen Sie einen Blick auf unser Fortbildungsangebot:

Fortbildungen des Fachverbands Sucht

 

Bericht «Onlinesucht in der Schweiz»

Expertenbericht 2018

 

Literaturliste zur exzessiven Mediennutzung und zur Onlinesucht

Der Fachverband Sucht und der Groupement Romand d'Etudes des Addictions stellen seit 2015 eine Liste mit Schweizer und internationaler Literatur zu den Themen Hyperkonnektivität, Onlinesucht, Internetnutzung und Gamen zusammen. Die Bibliographie beinhaltet Studien (in deutscher, französischer, englischer und italienischer Sprache) sowie Untersuchungen, Bücher und Webseiten. Die Liste wird periodisch aktualisiert.

Literaturliste

Weiterführende Informationen

Memorandum Internetabhängigkeit der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung

Die Fachgruppe Onlinesucht des Fachverbands Sucht setzt sich intensiv mit dem Thema auseinander.