Häusliche Gewalt und Sucht

Häusliche Gewalt und Sucht – insbesondere Alkohol- oder andere Substanzabhängigkeiten, aber auch Verhaltenssüchte wie Geldspiel – gehen häufig Hand in Hand. Doch die Behandlung und Begleitung von Betroffenen gestaltet sich schwierig: Spezialisierte Angebote fehlen, und Fachpersonen aus der Sucht-, Opfer- und Gewaltberatung verfügen oft nicht über ausreichend Wissen, um die komplexen Bedürfnisse dieser Personengruppe angemessen zu adressieren.

2025: Überarbeitung der Empfehlungen

Der Fachverband Sucht hat 2025 die von rund zehn Jahren publizierten Empfehlungen «Häusliche Gewalt und Alkohol» zur Verbesserung der Versorgung von Betroffenen überarbeitet. Er arbeitete dafür mit der Schweizerischen Konferenz gegen Häusliche Gewalt SKHG, dem Dachverband Frauenhäuser Schweiz und Liechtenstein DAO, solvio dem Schweizerischen Dachverband für Gewaltprävention und der Schweizerischen Opferhilfekonferenz zusammen. Ergänzend wurden auch Fachpersonen aus den Bereichen Suchtberatung, Gewaltberatung und Opferberatung einbezogen, um die Empfehlungen fachlich möglichst breit abzustützen. Grundlage für die Überarbeitung der Empfehlungen bildeten u.a. Erkenntnisse aus der Bedarfserhebung und den Veranstaltungen aus dem Vorprojekt (2023-2024). Die Überarbeitung wurde durch den Alkoholpräventionsfonds finanziert.

Häusliche Gewalt und Sucht Empfehlungen an Fachverbände, Institutionen, Politik und Verwaltung (2026)

Projekt 2023-2024

Der Fachverband Sucht engagiert sich weiterhin für die fachliche Auseinandersetzung für Häuslicher Gewalt und Sucht:

  • Das Netzwerk von 2013-2017 wurde reaktiviert und erweitert. Die Opferhilfe Schweiz, der Schweizerische Dachverband für Gewaltprävention solvio, die Dachorganisation Frauenhäuser Schweiz und Liechtenstein (DAO) und die Schweizerische Konferenz gegen Häusliche Gewalt (SKHG) sind Projektpartner:innen.
  • Mit einer breit angelegten Online-Umfrage wurde der Bedarf der Fachpersonen bezüglich konkreter Hilfestellung für den Berufsalltag und im Umgang mit der Dualproblematik ermittelt. Die Rückmeldungen von über 200 Fachpersonen bzw. Institutionen zeigen, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht, z.B. bei der Sensibilisierung, Vernetzung oder der Zurverfügungstellung von konkreten Hilfsmitteln (Präsentation der Ergebnisse).
  • Es wurden zwei Sensibilisierungsveranstaltungen durchgeführt: In einer Weiterbildung im Kanton Zürich wurden Fachpersonen aus dem Bereich häusliche Gewalt für die Suchtthematik sensibilisiert. Bei der Veranstaltung «Häusliche Gewalt und Sucht: Zusammenarbeit von Sucht-, Opfer- und Täter:innenberatung im Fokus» standen die Vernetzung und interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen den Fachpersonen aus der Sucht-, Opfer- und Gewaltberatung aus der ganzen Deutschschweiz im Zentrum. Mit den beiden durchgeführten Veranstaltungen ist es gelungen, ca. 220 Fachpersonen aus der Sucht-, Opfer- und Gewaltberatung zu erreichen. Im Rahmen der Veranstaltungen erhielten sie Informationen zu den Zusammenhängen zwischen Sucht und häuslicher Gewalt und ihnen wurden Anhaltspunkte vermittelt, wie sie die Dualproblematik in ihrem Berufsalltag erkennen und ansprechen können.

2013: Studie zeigt Lücken auf

2013 publizierte das Bundesamt für Gesundheit die Studie «Gewalt in der Partnerschaft und Alkohol». Sie gab Auskunft über die Häufigkeit und Form, in der die Dualproblematik häusliche Gewalt und Sucht auftritt. Sie veranschaulichte ausserdem, wo und wie Betroffene beraten werden, und wo Lücken bestehen. Die Studie zeigte, dass die Fachpersonen der Sucht-, Opfer- und Gewalt-Beratung wenig  über die Dualproblematik wissen und die drei Fachbereiche ungenügend vernetzt sind. Sie machte zudem deutlich, dass viele Fachstellen keine Richtlinien im Umgang mit Betroffenen der Dualproblematik kennen. Nicht zuletzt stellte die Studie fest, dass es keine Fortbildungen zum Thema häusliche Gewalt und Sucht gibt.

Aufgrund dieser Ergebnisse lancierte der Fachverband Sucht 2013 ein mehrjähriges Projekt, mit dem Ziel, Fachstellen und Fachpersonen im Umgang mit der Dualproblematik weiterzubilden. Dabei arbeitete er eng mit der Schweizerischen Konferenz gegen Häusliche Gewalt zusammen.

Im Verlauf des Projekts erarbeiteten die beiden Organisationen je eine Übersicht über bestehende Projekte und Programme sowie bestehende Kooperationen, die allen Interessierten zur Verfügung stehen. Sie führten mehrere Fachveranstaltungen für Fachpersonen der Sucht-, der Opfer- und der Gewalt-Beratung durch und leisteten damit einen entscheidenden Beitrag zu deren Vernetzung. Gemeinsam mit Fachpersonen aus allen drei Bereichen erarbeiteten sie Empfehlungen zur Verbesserung der Versorgung Betroffener.

Studien und Ressourcen

Häusliche Gewalt und Sucht: Empfehlungen an Fachverbände, Institutionen, Politik und Verwaltung (2026)

Ergebnisse der Bedarfserhebung bei Fachpersonen aus Opfer-, Gewalt- und Suchtarbeit (2024)

Veranstaltung «Häusliche Gewalt und Sucht: Zusammenarbeit von Sucht-, Opfer- und Täter:innenberatung im Fokus» vom 10. Dezember 2024

Studie Gewalt in der Partnerschaft und Alkohol (2013)

Übersicht Kooperationsprojekte (2015)

Übersicht Projekte Beratung und Therapie (2015)

Übersicht Institutionen Sucht-, Opfer- und TäterInnenberatung (2015)

Weiterführende Informationen

Leitfaden Dualproblematik Alkohol und häusliche Gewalt vom Blauen Kreuz Schweiz, bei dem der Fachverband Sucht Teil Begleitgruppe war (2025)

Sammlung von Informationen und Artikeln auf Prevention.ch zum Thema Alkoholkonsum und häusliche Gewalt (2023)

Alkohol und häusliche Gewalt, Handbuch für die Beratungspraxis (2015)

Faktenblatt des EBG zu häuslicher Gewalt und Alkohol (2013)