Früherkennung und Frühintervention

Es gibt Lebenssituationen, in denen Menschen besonders verletzlich sind. Die Ursachen dafür unterscheiden sich von Mensch zu Mensch und von Lebensalter zu Lebensalter. Das können z.B. Probleme in der Schule sein, ein Todesfall eines nahestehenden Menschen, eine Scheidung oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Ziel der Früherkennung und Frühintervention (F+F) ist, diesen Menschen ein gesundes und förderndes Umfeld zu schaffen, allfällige Probleme früh zu erkennen und sie mit den passenden Angeboten zu begleiten. Immer mit dem Ziel, eine positive Entwicklung zu unterstützen. F+F umfasst Elemente der Gesundheitsförderung, der Prävention und der Behandlung.

Bewährtes weiterentwickeln

Der Fachverband Sucht ist seit über 15 Jahren im Bereich F+F tätig. Er hat die Entwicklung und das Verständnis von F+F durch beständige Grundlagen- und Vernetzungsarbeit entscheidend mitgeprägt. Dieses Verständnis hat sich in der Suchtprävention und der Suchtbehandlung in den letzten Jahren stark entwickelt. Zum einen haben sich Zielgruppen und Settings erweitert: Präventions- und Suchtfachstellen haben den Fokus von Kindern und Jugendlichen im schulischen Setting ausgeweitet auf andere Altersgruppen, Lebensphasen und Settings. Zum anderen sind heute nicht mehr nur Sucht-Fachpersonen, sondern auch zahlreiche andere Berufsgruppen in die F+F involviert.

Definition von «Früherkennung und Frühintervention»

Der Fachverband Sucht hat von Juni 2021 bis Juni 2022 in einer vom Bundesamt für Gesundheit initiierten breit abgestützten Expert:innengruppe mitgearbeitet. Diese hat folgende Definition von F+F erarbeitet:

Früherkennung und Frühintervention (F+F) hat zum Ziel, die ersten Anzeichen eines Problems möglichst früh zu erkennen und den Handlungsbedarf abzuklären, um geeignete Massnahmen zu finden, und die Betroffenen zu unterstützen. Dieser Ansatz lässt sich in jedem Lebensalter zur Bewältigung verschiedener Gesundheits-probleme wie Risikoverhalten oder -konsum, Sucht, psychische Probleme usw. anwenden.

Ausgehend vom Modell der Salutogenese, will F +F die Ressourcen und die Handlungsfähigkeit der Betroffenen stärken, deren Risikofaktoren minimieren sowie das gesundheitsförderliche Umfeld stärken. Der Ansatz berücksichtigt somit die Gesundheitsdeterminanten, d. h. das Spektrum der persönlichen, sozialen, wirtschaftlichen und umweltbedingten Faktoren, die für die gesunde Lebenserwartung von Einzelpersonen und Bevölkerungsgruppen massgebend sind.

Die Publikation «Früherkennung und Frühintervention: Harmonisierte Definition» wurde von den Trägerorganisationen der Charta F+F von 2016 (s. unten) bestätigt.

Aktivitäten des Fachverbands Sucht

Der Fachverband Sucht ist bestrebt, den sinnvollen und wirksamen Ansatz der F+F laufend zu entwickeln – gemeinsam mit Sucht-Fachleuten und Fachpersonen anderer Disziplinen. Dazu erarbeitet er Grundlagen und Instrumente und schafft Vernetzungs- und Austauschplattformen für Sucht-Fachleute. Und er bietet regelmässig Fachtagungen und Fortbildungen zur F+F an – für Sucht-Fachleute, aber auch für Fachpersonen anderer Berufsfelder.

Grundlagen

Früherkennung und Frühintervention kann erfolgreich umgesetzt werden, wenn Fachpersonen der Prävention und der Beratung verbindlich und konstruktiv kooperieren. Um sie dabei zu unterstützen, haben die drei Fachgruppen Prävention und Gesundheitsförderung, Stellenleitende Prävention und Ambulante Beratung des Fachverbands Sucht «Gute Gründe» und «Erfolgsfaktoren» für eine funktionierende Zusammenarbeit formuliert.

Grundlagenpapier zur Zusammenarbeit zwischen Prävention und Beratung in der Suchthilfe

 

2016 hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe unter der Federführung des Fachverbands Sucht die Oltner Charta komplett überarbeitet. 2022 wurde sie durch die harmonisierte Definition F+F (s. oben) abgelöst.

Charta Früherkennung und Frühintervention

 

2011 haben Sucht-Fachleute unter der Federführung von Fachverband Sucht und der Schweizerischen Gesundheitsstiftung RADIX die «Oltner Charta Früherkennung und -intervention bei gefährdeten Kindern und Jugendlichen» erarbeitet.

Oltner Charta

 

Das Handbuch «Jugendliche richtig anpacken – Früherkennung und Frühintervention bei gefährdeten Jugendlichen» erklärt, was es mit der Früherkennung und der Frühintervention auf sich hat. Es führt in leicht verständlicher Sprache in die Thematik ein, erklärt Begriffe rund um die Prävention und erläutert Beispiele guter Praxis. Die Broschüre richtet sich an alle interessierten Fachpersonen, die mit Jugendlichen zu tun haben.

Handbuch «Jugendliche richtig anpacken – Früherkennung und Frühintervention bei gefährdeten Jugendlichen»


Das Handbuch wird derzeit umfassend überarbeitet. Die Publikation der aktualisierten Version ist für Ende 2022 vorgesehen

Weiterführende Informationen

Früherkennung und Frühintervention ist ein wichtiges Thema in der Fachgruppe Prävention sowie der Fachgruppe Ambulante Beratung des Fachverbands Sucht.
 

Themenseite des Bundesamts für Gesundheit zur Früherkennung und Frühintervention
 

Rahmenkonzept des BAG:

Multifaktorielles Modell zur Früherkennung und Frühintervention F+F
 

Prevention.ch: Die Plattform des Bundesamts für Gesundheit dient als Inspirationsquelle und Schaufenster für die Themen nichtübertragbare Krankheiten, Sucht und psychische Gesundheit. Über den Suchbegriff #Früherkennung_und_Frühintervention können Grundlagendokumente, Studien, Veranstaltungen und Projekte zu F+F gefunden werden.