Früherkennung und Frühintervention

Ziel der Früherkennung und Frühintervention (F+F) ist, schwierige Situationen und problematische Verhaltensweisen – z.B. ein riskanter Konsum – möglichst früh zu erkennen und für die Betroffenen und ihr Umfeld rasch eine passende Unterstützung zu finden. Der Fachverband Sucht ist seit über 10 Jahren im Bereich F+F tätig. Er hat die Entwicklung und das Verständnis von F+F durch beständige Grundlagen- und Vernetzungsarbeit entscheidend geprägt.

Bewährtes weiterentwickeln

Es gibt Lebenssituationen, in denen der Mensch besonders verletzlich ist. Die Ursachen dafür unterscheiden sich von Mensch zu Mensch und von Lebensalter zu Lebensalter. Das können z.B. Probleme in der Schule sein, ein Todesfall eines nahestehenden Menschen, eine Scheidung oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Ziel der Früherkennung und Frühintervention (F+F) ist, diesen Menschen ein gesundes und förderndes Umfeld zu schaffen und allfällige Probleme früh zu erkennen und anzugehen. Immer mit dem Ziel, eine negative Entwicklung zu verhindern. F+F umfasst also Elemente der Gesundheitsförderung, der Suchtprävention und der Behandlung.

In den Anfängen der F+F lag der Fokus auf den Kindern und Jugendlichen. Suchtfachleute sahen ihre Aufgabe vorwiegend darin, Schulen und Gemeinden zu unterstützen, wenn es darum geht, Belastungen zu erkennen, die die psychosoziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen beeinträchtigen können.

Dieses Verständnis hat sich in Suchtprävention und Suchtbehandlung in den letzten zehn Jahren stark entwickelt. Zum einen haben sich Zielgruppen und Settings erweitert: Präventions- und Suchtfachstellen haben den Fokus auf Kinder und Jugendliche im schulischen Setting ausgeweitet auf andere Altersgruppen, Lebensphasen und Settings. Zum anderen sind heute nicht mehr nur Suchtfachpersonen, sondern auch zahlreiche andere Berufsgruppen in die F+F involviert.

Definition von «Früherkennung und Frühintervention»

2016 hat der Fachverband Sucht, gemeinsam mit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe, folgende Definition der F+F erarbeitet:

Die Früherkennung und Frühintervention (F+F) hat zum Ziel, ungünstige Entwicklungen und Rahmenbedingungen sowie problematische Verhaltensweisen von Personen aller Altersstufen frühzeitig wahrzunehmen, passende Hilfestellungen zu finden und die betroffenen Menschen in ihrer gesunden Entwicklung und gesellschaftlichen Integration zu unterstützen.

Die F+F integriert strukturorientierte und individuumsbezogene Verfahren und zielt nicht ausschliesslich darauf ab, das Verhalten von Betroffenen zu ändern. F+F hat auch den Anspruch, ungünstige gesellschaftliche und strukturelle Bedingungen zu erkennen und zu benennen und sich entsprechend für gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen einzusetzen.

Früherkennung meint, schwierige Situationen, Auffälligkeiten und Symptome rechtzeitig wahrzunehmen und richtig zu deuten (Gefährdungseinschätzung). Früherkennung bezieht sich dabei auf umfeldbezogene und individuumsbezogene Risiken, die dazu beitragen, ein problematisches Verhalten zu entwickeln. Frühintervention verfolgt das Ziel, als gefährdet erkannte Personen und deren Umfeld eine geeignete Unterstützung anzubieten (Begleitung, Beratung oder Behandlung). Das Ziel der Intervention ist sowohl die Förderung und Aktivierung der umfeldbezogenen und individuumsbezogenen Ressourcen als auch das Reduzieren von Risiken.

Aktivitäten des Fachverbandes Sucht

Der Fachverband Sucht ist bestrebt, den sinnvollen und wirksamen Ansatz der F+F laufend zu entwickeln – gemeinsam mit Suchtfachleuten und Fachpersonen anderer Disziplinen. Dazu erarbeitet er Grundlagen und Instrumente und schafft Vernetzungs- und Austauschplattformen für Suchtfachleute. Und er bietet regelmässig Fachtagungen und Fortbildungen zur F+F an – für Suchtfachleute, aber auch für Fachpersonen anderer Berufsfelder.

Arbeitsergebnisse des Fachverbands Sucht

Grundlagen

Früherkennung und Frühintervention kann erfolgreich umgesetzt werden, wenn Fachpersonen der Prävention und der Beratung verbindlich und konstruktiv kooperieren. Um sie dabei zu unterstützen, haben die drei Fachgruppen Prävention und Gesundheitsförderung, Stellenleitende Prävention und ambulante Beratung des Fachverbands Sucht «Gute Gründe» und «Erfolgsfaktoren» für eine funktionierende Zusammenarbeit formuliert.

Grundlagenpapier zur Zusammenarbeit zwischen Prävention und Beratung in der Suchthilfe

 

2016 hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe unter der Federführung des Fachverbands Sucht die Oltner Charta komplett überarbeitet. Die überarbeitete «Charta Früherkennung und Frühintervention» trägt der Weiterentwicklung des Ansatzes der letzten Jahre Rechnung.

Charta Früherkennung und Frühintervention

 

2011 haben Suchtfachleute unter der Federführung von Fachverband Sucht und Radix die «Oltner Charta Früherkennung und -intervention bei gefährdeten Kindern und Jugendlichen» erarbeitet.

Oltner Charta

 

Das Handbuch «Jugendliche richtig anpacken – Früherkennung und Frühintervention bei gefährdeten Jugendlichen» erklärt, was es mit der Früherkennung und der Frühintervention auf sich hat. Es führt in leicht verständlicher Sprache in die Thematik ein, erklärt Begriffe rund um die Prävention und erläutert Beispiele guter Praxis. Die Broschüre richtet sich an alle interessierten Fachpersonen, die mit Jugendlichen zu tun haben. Sie kann gratis beim Bundesamt für Gesundheit bestellt werden.

Handbuch beim Bundesamt für Gesundheit bestellen

 

Weiterführende Informationen

Früherkennung und Frühintervention ist ein wichtiges Thema in der Fachgruppe Prävention sowie der Fachgruppe Ambulante Beratung des Fachverbands Sucht.

Themenseite des Bundesamts für Gesundheit zur Früherkennung und Frühintervention