Konsum geflüchteter Menschen

Menschen, die geflüchtet sind, leben in einer mehrfach belastenden Situation, der sie nicht selten durch den Konsum psychoaktiver Substanzen entfliehen. Die Frage, wie Asylzentren und Hilfsorganisationen auf der einen und Suchtprävention und Suchthilfe auf der anderen Seite damit umgehen, ist weitgehend unbeantwortet. Der Fachverband Sucht nimmt sich dieser Frage an.

Eine besonders vulnerable Gruppe

Geflüchtete Menschen befinden sich im Ankunftsland in einer mehrfach belastenden Lebenssituation: Diese Frauen und Männer haben einen beschwerlichen und vielfach traumatisierenden Weg hinter sich. In der Fremde kommen Unsicherheiten, Notsituationen und Bedrängnisse dazu. Es liegt nahe, dass der Konsum von Alkohol, Medikamenten oder illegalen Drogen für viele Entspannung und Vergessen bedeutet. Derzeit scheint unter Flüchtlingen vor allem der Konsum von Alkohol, Cannabis und Medikamenten ein Thema zu sein.

Die erhöhte Zuwanderung geflüchteter Menschen aus Kriegsgebieten des Nahen und Mittleren Ostens sowie aus Afrika in den vergangenen Jahren führt dazu, dass diese Zielgruppe zwar vermehrt in den Fokus von Suchtprävention und Suchthilfe rückt. Was den Konsum dieser Menschen und der damit verbundenen Selbst- und teilweise auch Fremdgefährdung betrifft, sind die meisten Fragen noch aber noch offen:

Betreiber von Asylzentren und Hilfsorganisationen, die im Asylwesen tätig sind, sind unsicher, wie sie mit dieser Situation umgehen können. Ihnen fehlt das notwendige Wissen, welche Präventions- und Interventionsmassnahmen sich für welche Altersgruppe eignen, wie sich Männer und Frauen in ihrem Konsumverhalten unterscheiden, und wie sie problematisches Konsumverhalten frühzeitig erkennen und in geeigneter Form intervenieren können.

Die meisten Suchtpräventions- und Suchtberatungsstellen sind sich noch zu wenig im Klaren darüber, welche Rolle sie einnehmen können, wenn es um den Konsum Asylsuchender geht, und wie sie Asylzentren und Hilfsorganisationen mit ihrem Fachwissen unterstützen können. Vielfach fehlt ihnen ein klarer Auftrag des Kantons oder der Gemeinde, sich dem Thema anzunehmen. Suchtpräventionsstellen haben deshalb oft nur beschränkte Ressourcen, um spezifische Präventionsmassnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Und Suchtberatungsstellen haben – wie andere Fachstellen auch – nicht die Möglichkeit, hilfesuchende Menschen in ihrer Muttersprache zu beraten.

Wissen aufbauen, Instrumente verbreiten, Austausch fördern

Der Fachverband Sucht unterstützt die Organisationen der Suchtprävention und Suchthilfe darin, Wissen zum Thema «Substanzkonsum geflüchteter Männer und Frauen» aufzubauen und geeignete Massnahmen und Ansätze zur zielgruppenspezifischen Suchtprävention und -beratung kennenzulernen oder zu entwickeln.

In erster Linie unterstützt er den Austausch unter seinen Mitgliedern zu diesem Thema sowie den Austausch seiner Mitglieder mit Asylzentren und Hilfsorganisationen, die im Asylwesen aktiv sind. Und er vernetzt sich mit Organisationen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, Liechtenstein sowie aus dem Südtirol, holt deren Wissen und bestehende Instrumente in die Schweiz und macht diese für die hiesigen Sucht-Fachorganisationen nutzbar.

Arbeitsergebnisse des Fachverbands Sucht

Am 6. Dezember 2017 und am 21. März 2018 organisierte der Fachverband Sucht in Zürich zwei Austauschtreffen zum Thema «Substanzkonsum von Asylsuchenden: Müssen Suchtberatung und Suchtprävention tätig werden?»

Die Ergebnisse dazu finden Sie nachfolgend: «Ergebnisse der Austauschtreffen vom 6. Dezember 2017 und 21. März 2018»

Zusammenfassung der Referate
1) Konsum Asylsuchender aus der Sicht einer Zentrumsbetreiberin, Jasmin Gfeller, Co-Leiterin Kollektivunterkunft, Heilsarmee Flüchtlingshilfe, 6. Dezember 2017.

Präsentation Heilsarmee
2) Die Lebenssituation von geflüchteten Menschen aus der Sicht einer Freiwilligenorganisation für Asylsuchende, Hanna Gerig, Stellenleiterin, Solinetz Zürich, 21. März 2018
Präsentation Solinetz
3) Beispiel einer Suchtberatung von geflüchteten Menschen, Mara Herrmann-Aïta, Stellenleiterin, Multikulturelle Suchtberatungsstelle beider Basel (MUSUB), 6. Dezember 2017 und 21. März 2018

Präsentation MUSUB